Das Höfesterben in Bayern
Ein massives Problem treibt das blau-weiße Paradies Bayern um.
Seit 2010 geht die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe im Freistaat drastisch zurück. Bis zu 50% Rückgang werden seit 1999 verzeichnet. Alles, was überlebt, sind die verfallenen Hofgebäude, die wie Skelett-Hüllen früheren Lebens zurückbleiben.

Seit 2013 fotografiere und dokumentiere ich diese Zeitzeugen. Anfangs fanden sich die Objekte zufällig und die Neugier trieb mich an. Es ging mir zunächst um schöne Fotos und um die Faszination am Verfall.
Irgendwann ergab sich dann ein Muster und mir fiel auf, wann, wo und warum Höfe leerstanden. So begann ich mit der systematischen Recherche zur Thematik des Bauernhofsterben.


Schorschs Hof, 2016
Hof des Hypochonders, 2015
Eines der größten Probleme ist die Überalterung. Der Beruf des Bauern ist nicht mehr attraktiv, der Nachwuchs sieht seine Zukunft eher in der Dienstleistungsbranche als in der Landwirtschaft. Auch die finanziellen Probleme schrecken die Jugend ab. Zudem sorgt die Land-Stadt-Flucht für einen generellen Bevölkerungsrückgang in den ländlichen Gegenden. Der demographische Wandel zeigt sich gerade in ländlichen Gegenden von seiner übelsten Seite.
Hiasl Jr., 2018
Gut Stein, 2014
Paul Palettis Farm, 2016
Um einen Hof rentabel zu halten, muss ein Bauer heutzutage mindestens 4-mal so viele Nutztiere halten, wie noch vor 10 Jahren. Auch die Fläche, die ein einzelner Hof bedienen muss, hat sich verdreifacht. So ersetzt ein Großbetrieb mehrere Familienbetriebe. Nur die Größten sind finanziell rentabel. Zwar wurden europäische Fördergelder für die bayerische Landwirtschaft beschlossen, diese gehen jedoch zu 80% an eben jene Großbetriebe. Kleine Traditionsbetriebe können hier nicht mehr mithalten.
Siams Gutshof, 2018
Gut Stein, 2014
Betriebe mit weniger als 10 Hektar haben 2018 kaum eine Überlebenschance. Seit 1999 sank die Anzahl der Betriebe im Freistaat von 150.577 auf 84.760.
Der Rückgang ist dabei regional unterschiedlich. Während rund um den Raum München kaum Leerstand im ländlichen Raum zu finden ist, steht in Niederbayern in manchen Landstrichen jedes zweite Haus leer.


Hof zum freudigen Hirsch, 2018
Hiasl Jr., 2018
Vielen Dank an alle Bauern und Ex-Bauern, die mich ihre Höfe fotografieren ließen.
Und ebenso Vielen Dank an Peter Lechner für das Organisieren mancher Besichtigung und für die gute Reisebegleitung.


Die Orte werden nicht preisgegeben. Alle Objekte wurden mit Codenamen versehen, um Vandalismus und Tourismus vorzubeugen.
Alle Bilder wurden in Bayern aufgenommen.
Alle Bilder wurden zwischen 2014 und 2018 aufgenommen.
Leon Beu, 2018
Danke fürs Beiwohnen!

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